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Weggabelungen des Lebens nutzen oder warum ich für meine Tochter gerne meinen Job kündigte

In jedem Leben gibt es Weggabelungen. Meistens entscheiden wir uns für den einfacheren Weg oder für den Weg, den die meisten Menschen gehen würden. Generell konnte ich beobachten, dass es heute in der Gesellschaft halt so üblich ist, dass FRAU genauso mit arbeitet wie der Mann. So kommt es, dass bereits 8 Monate alte Babys in die Kita müssen, weil Mama schon wieder ins Büro muss, sonst ist eben der heißgeliebte Job weg, man ist abgeschrieben, etc. Versteht mich nicht falsch, ich möchte diese Mütter gar nicht angreifen. Es gibt sicher auch Mütter, die keine andere Wahl haben. Wobei wir schon beim Thema sind. 

 

Wir haben in den meisten Fällen eine Wahl

 

Als meine Tochter Romy ein Jahr alt war, beschäftige ich mich mit meinem Wiedereintritt in die Firma, der für 6 Monate später geplant war. Richtig, als das Kind noch nicht geboren war plante ich diesen Wiedereintritt. Ich würde meine Kleine täglich zu einer Tagesmutter bringen, um so wieder für 20 Stunden pro Woche arbeiten gehen zu können. Wie kann man etwas planen, wenn man die Gefühle, die einem zu diesem späteren Zeitpunkt bewegen, noch nicht kennt? Im Nachhinein ist mir sehr klar, dass es zumindest für mich nicht machbar ist. Bei dem Treffen mit meiner Chefin besprachen wir alle Details, 4-Tage die Woche a 5 Stunden. Doch ein mulmiges Gefühl beschlich mich schon dort. Ich machte mich dennoch auf die Suche nach einer Tagesmutter. Nachdem ich vorab ein langes, sehr nettes Gespräch bei einem Träger der Tagesmütter hatte, kamen die ersten Termine mit den Betreuungsdamen.

 

Doch mein Bauchgefühl schlug bei jeder Tagesmutter Alarm.

 

Ich spürte eindeutig, dass mein Kind noch ein Baby ist, ein kleines Wesen, was seine Mama noch sehr nah um sich haben möchte. In der Zeit, wo das Urvertrauen der Kleinen noch im Aufbau ist, wollte ich mein Kind einfach nicht einer für mich völlig Fremden überlassen. Alles was ich bisher umsetzte, Nähe, Geborgenheit durch Tragen am Körper, Familienbett, Langzeitstillen, etc. wollte ich nicht durch das frühzeitige Abtrennen von mir als Mutter hinfällig werden lassen. Es sprach einfach gegen alles, wie ich es bisher umsetzte. Lange Zeit verkrampfte ich immer wieder bei dem Gedanken, erzählte vorab jedoch den Leuten, ich hätte noch keine passende Tagesmutter gefunden. Ich kann von Glück reden, dass ich einen sehr verständnisvollen Partner habe, der die Dinge meistens ähnlich wie ich sieht. Ich sprach also mit ihm über meine Gedanken. Er verstand mich voll und ganz, ermutigte mich jedoch noch weitere Tagesmütter anzuschauen. Mein Gefühl blieb und dazu kam noch ein Gefühl des Neuanfangs in mir auf.

 

Ich spürte, dass mein Weg in der Firma nach 18 Jahren nun zu Ende geht.

 

Ich hatte in letzter Zeit einiges Kreatives erarbeitet und somit wuchs in mir ein Gedanke, ein Kleingewerbe anzumelden. Ein Freund wollte ein paar Artikel in seinem Laden ausstellen. Zeitgleich las ich immer wieder Artikel und sah entsprechende Videos über die Vorteile der eigenen Betreuung der Kinder bis zum 3. Lebensjahr. Immer wieder tauchte das Thema Urvertrauen hierzu auf. Im Nachhinein betrachtet weiß ich, dass mein Bauchgefühl, meine mütterliche Intuition mir schon den für uns richtigen Weg vorgab. Jede Mutter tickt anders, jedes Kind tickt anders. Für uns war der gesellschaftlich, relativ einheitliche Weg eben nicht richtig. So suchte ich wiederum das Gespräch mit meinem Mann und sprach es offen aus:

 

„Ich möchte kündigen und unsere Tochter bis zum 3. Lebensjahr selbst betreuen“

 

Mein Mann war ein Glück nicht entgeistert. Er strahlte keine Angst aus, vollends Verantwortung für die gesamte Familie tragen zu müssen. Er ermutigte mich und teilte mir mit, dass es doch für unsere Tochter nicht schöneres geben könnte. Ich war sehr erleichtert und somit schmiedeten wir UNSEREN individuellen Plan. Kein Gesellschaft-konformer Plan, aber einer, der auf unsere Gefühle als Mutter und Vater und auf die Bedürfnisse unserer Tochter abgestimmt ist. Es fühlt sich auf einmal alles so stimmig für mich an. Da ich auch vorher nicht glücklich in meinem Beruf war, wenn auch meine Kollegen und meine Chefin wirklich toll waren, schrieb ich völlig freudig meine Kündigung. Ich konnte es selbst kaum fassen. Sollte ich mich wirklich komplett in die Hände meines Mannes begeben? Kein regelmäßiges Einkommen mehr, über ihn krankenversichert etc. Ich bin dann eine Hausfrau und Mutter, so wie die Frauen Jahrzehnte lang zuvor? Es fühlt sich für mich, die doch Jahrelang als Einzelgängerin unterwegs und stets auf Sicherheit bemüht war, doch etwas komisch an. Aber je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr verschwanden all diese ängstlichen Gedanken wieder. Ich vertraue meinem Mann, ich habe ihn geheiratet und das ist für mich mehr als nur ein Stück Papier. Ich betrachtete es so: mein Mann geht arbeiten und bekommt dafür Geld. Ich sehe es als meinen Job an für meine Tochter zu 100% und mit ganzem Herzen da zu sein, die Bezahlung ist hier nur ganz viel LIEBE statt Geld. Ich habe durch das Muttersein sehr viel über mich selbst gelernt. Zum Beispiel, dass ich Dinge nur richtig gut machen kann, wenn mein Bauchgefühl stimmt und ich mit ganzem Herzen dabei bin. 

 

Ich habe es auf keinen Fall bereut

 

Inzwischen ist meine Tochter über 3 Jahre alt und es ist immer noch für mich die beste Entscheidung, die wir getroffen haben. Auch wenn es nicht immer leicht und auch einseitig für mich war, da ich mir zu wenig Auszeiten nahm. Inzwischen ist noch mein Blog hinzu gekommen, der mich wirklich sehr erfüllt. 

 

Durch eine Entscheidung an einer Gabelung ergeben sich automatisch neue Wege

 

Hätte ich damals nicht gekündigt und mich für diesen Weg entschieden, würde ich heute niemals einen Blog schreiben. Das Leben ist ein ständiger Prozess der Veränderung. So entstehen durch Entscheidungen oftmals wunderbare, weitere Veränderungen. 

 

Vielleicht denkst du bei der nächsten Entscheidung darüber nach, ob du vielleicht auch mal den anderen Weg wählst, der eigentlich für dich nicht üblich ist? Wer weiß, was dann alles wunderbares auf dich zukommt! 

 

Just be YOU,

Deine Tami

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Kommentare: 2
  • #1

    Steffi (Montag, 25 November 2019 11:40)

    "Wir haben in den meisten Fällen eine Wahl"
    Das ist richtig. Ich bin auch, anders als geplant, ein halbes Jahr länger in Elternzeit geblieben und wieder in den Beruf eingestiegen, als meine Tochter fast 2 war. Vollzeit. Betreut wurde sie von den Großeltern und wird sie noch immer. Der Opa hat die Eingewöhnung übernommenen und beide genießen diese intensive Beziehung zu einander. Für mich war dieser Weg der richtige.

  • #2

    NatyrlichTami (Montag, 25 November 2019 12:46)

    Liebe Steffi,

    schön zu lesen, dass auch Du es nach deinem Bauchgefühl gemacht hast. Ich finde es toll, wenn man die Möglichkeit hat es innerhalb der Sippe/Familie zu regeln. Das wäre für mich auf jeden Fall eine Option gewesen, mit der ich glücklich gewesen wäre. Leider ist es innerhalb meiner Familie nicht möglich.

    Ich wünsche Dir weiterhin alles Liebe und viel Freude mit Deiner Tochter!

    Tami

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