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Von Kleinkindern lernen

Mein Mann und ich haben uns eher instinktiv für einen Bedürfnisorientierten Erziehungsstil für unsere Tochter entschieden. Das Wort Erziehung ist in dem Fall nicht so ganz stimmig, es beinhaltet das Wort "ziehen", was sich für meine Ohren nicht schön anhört. Nennen wir es doch Bedürfnisorientierte Begleitung. 

 

Wenn man sich also mit den Kindern auf eine Ebene begibt und nicht von oben mit dem erhobenen Zeigefinger vor dem Kind steht, ergeben sich auch für mich als Erwachsene ganz andere Perspektiven. Und hey, ich bin als Mutter auch nicht perfekt, sondern wir Mütter müssen unseren Job ja auch erst einmal lernen. So wie auch das Kind lernt, Tag für Tag. Egal in welchem Alter, das Leben ist ein ständiger Lernprozess und das ist schön, so entwickeln wir uns weiter. 

 

Was können wir z.B. von unseren Kleinkindern lernen?

 

Kleinkinder leben im Hier und Jetzt.

Wenn man jeden Tag für sich genießt und nicht über gestern und morgen nachdenkt, ergeben sich automatisch weniger Probleme. Man lernt dadurch, sich erst dann Gedanken zu machen, wenn es wirklich soweit ist. Ich denke z.B. nicht darüber nach, wie es wohl beim Zahnarzttermin nächsten Freitag wird. Kleinkinder haben auch zu Beginn Schwierigkeiten die Bedeutung von morgen, gestern etc. zu verstehen. Wenn ich meiner Tochter Romy sage: „Morgen besuchen wir Deine Cousine“, dann möchte sie eigentlich sofort los. Ich finde das sehr süß. Im Moment zu leben hat viele Vorteile, denn meistens geht es uns in diesem Moment GUT. In unseren Gedanken geht es oft um gestern, damals, morgen, etc. Wenn wir es schaffen diese Gedanken LOSZULASSEN, lebt es sich einfach leichter. Wer sich hier weiter belesen möchte, dem kann ich das Buch „JETZT! Die Kraft der Gegenwart“* von Eckart Tolle wärmstens empfehlen. 


Kleinkinder haben schon morgens gute Laune.

Wie oft wachen wir schon morgens mit schlechter Laune auf, denken sofort an die Arbeit oder die Aufgaben, die sich für den Tag ergeben. Oder wir haben so schlecht entspannt im Schlaf, dass wir bereits morgens erneut über die Probleme des Vortages nachdenken. Kleinkinder (die nicht vorzeitig geweckt werden) wachen morgens auf, grinsen und springen aus dem Bett. Ich bewundere dies immer wieder bei meiner Tochter. Ich versuche es ihr ein wenig gleich zu tun. Wir können zum Beispiel achtsamer werden und beobachten welche Gedanken uns als erstes in den Sinn kommen und dagegen steuern, falls sie negativer Natur sind. Wie wäre es z.B. mit einem tiefen Atemzug, die Füße aus dem Bett schwingen und den Boden unter den Füßen spüren und dann ein klitzekleines Mantra: Ich freue mich auf diesen neuen Tag!

Kleinkinder sind nicht oberflächlich.

Habt ihr schon mal ein Kleinkind sagen hören: der ist aber hässlich, dick, unmodisch etc.? Nein. Kleinkinder gehen offen durch die Welt und sehen alle mit völlig wertfreien Augen. Das ist bewundernswert. Weil sind wir doch mal ehrlich, so sind wir Erwachsenen nicht. Wir be- und verurteilen leider oft sehr schnell. Manchmal völlig zu unrecht und dann schämen wir uns im Nachhinein. Kleinkinder gehen mit leuchtenden Augen auf andere zu, auch wenn sie unsere Sprache nicht sprechen. Das stört Kleinkinder kein bisschen. Sie verständigen sich auch so wunderbar. Ich lasse mich da immer wieder gerne inspirieren.

 

Kleinkinder haben einen Blick für Kleinigkeiten

Ich bin immer wieder überrascht, welche kleinen Dinge am Rande meiner Tochter auffallen. „Schau mal der kleine Vogel da im Baum, wie süß“ höre ich sie sagen. Ich frage mich dann, warum ich ihn übersehen habe. Wir hechten oft durch die Straßen und verpassen dadurch die kleinen, schönen Details am Wegesrand. Wir sollten wieder häufiger mit offeneren Augen durch die Gegend laufen und mal Ausschau halten, um die kleinen Dinge nicht zu übersehen, die oft unser Herz erwärmen. 

 

Kleinkinder sind entschleunigt

Sie haben kein Gefühl für Zeit, was ich ja schon weiter oben beschrieb. Das ist der Grund warum Kleinkinder sehr entschleunigt sind. Das Wort Entschleunigung gibt es wohl schon seit 1979, ist aber in den letzten Jahren erst richtig populär geworden. Die Hast unserer heutigen Gesellschaft: „Höher, schneller, weiter“ geht jedoch eigentlich sehr gegen unsere Natur. Natürlich wäre es achtsam zu leben, zu entschleunigen, fühlen, was ist da gerade um mich herum, was brauche ich gerade, und worauf habe ich jetzt einfach Lust. So sind Kinder, ich finde das klasse. Viele Eltern würden das sicher als bummeln bezeichnen. Ich verstehe, dass wir nicht immer die Zeit haben, mit unseren Kindern zusammen zu entschleunigen, aber wir können es dennoch hin und wieder versuchen. 

 
Kleinkinder sind nicht nachtragend.

Nachtragend zu sein, bringt ja irgendwie keinem was. Dennoch fällt es uns schwer schnell wieder zu vergessen, wenn uns jemand geärgert hat. Kleinkinder sind da anders. Das Mädchen auf dem Spielplatz haut meiner Tochter Romy mit der Schippe auf dem Kopf, sie weint. Doch als wir gehen möchten, umarmen die beiden sich zum Abschied und Romy freut sich schon das Mädchen bald wieder zu sehen. Das ist so herrlich. Vergessen ist der kleine Konflikt nach nicht einmal 20 Minuten. Vielleicht sollten wir auch hier von ihnen lernen. Nicht lange ärgern über Dinge, sondern einfach öfters mal versuchen zu denken: „Schwamm drüber“. 

 

Ich werde weiterhin die Augen offen halten und versuchen zu lernen, von meiner Tochter und von anderen Kindern aus meiner Umgebung. Und ihr?

 

Just be YOU,

Deine Tami

*Affiliate-/Werbelink (Du zahlst keinen Cent mehr, unterstützt mich jedoch dadurch, herzlichen Dank!) 

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Kommentare: 9
  • #1

    Nicole Müller (Freitag, 13 September 2019 15:44)

    Wie schön liebe Tami und ich habe direkt beim Lesen entschleunigt und lächeln müssen, weil ich in vielem Geschriebenen auch meine Beobachtungen wieder finde. Leider schaffe ich bisher es zu selten, entspannt meine 3 Engel zu beobachten ... dabei können wir doch so vieles, wie Du treffend und so schön beschrieben hast, aus ihnen lernen.
    Alles Liebe, Deine Nicole :-*

  • #2

    Constantin Mock (Samstag, 14 September 2019 10:29)

    Ein wunderschönes Besinnen auf wichtige Eigenschaften, die wir alle besitzen und leider mit der Zeit verlernen. Das Gute ist, dass wir es jederzeit im JETZT wieder zurück holen können. Es bedarf alleine einer Entscheidung. Unserer Entscheidung. Tamara, Du machst auf etwas aufmerksam, was wir uns immer wieder klar machen können. Ich lebe das vor und praktiziere es täglich, um nicht "zu erwachsen" zu sein. Manchmal zum Unverständnis meiner Umwelt. Aber so sind wir Kinder halt.... :-) Ein toller Beitrag, weiter so!

    InLiebeConstantin

  • #3

    Torben (Samstag, 14 September 2019 11:58)

    Hallo Tamara, meinen Glückwunsch zu Deinem ersten Blog. Grüße Torben

  • #4

    Tami (Samstag, 14 September 2019 19:28)

    Liebe Nicole, lieber Constantin und lieber Torben,
    ich danke Euch herzlich für Eure lieben Kommentare.

  • #5

    Dr.thl.Adrian .S (Samstag, 14 September 2019 22:04)

    Eine sehr schön geschriebene Seite , mit vielen ansetzen die Mann aus der Waldorfpädagogik kennt . Meiner Meinung wird sich auf langfristige Zeit dieses durchsetzen.

    Mfg Adrian

  • #6

    Nadine (Sonntag, 15 September 2019 14:29)

    Liebe Tami,

    Ich kann mich nur den anderen anschließen.
    Da hast du einen wirklich schönen Blog verfasst .
    Ich bin begeistert :)

    Alles Liebe Nadine

  • #7

    Inga Dalhoff (Montag, 16 September 2019 11:02)

    Liebe Tami,

    was für ein schöner Artikel! Ja, ich habe von Kleinkindern auch unfassbar viel lernen dürfen. Diese Freude und unschuldige Neugier, der Wissensdurst und die Unvoreingenommenheit beeindrucken mich immer sehr und wecken die Sehnsucht in mir, diese Qualitäten wieder mehr auszuleben.

    Deinen Artikel habe ich deshalb mit Begeisterung gelesen! Denn was du schreibst, empfinde ich als wahre Perlen der Erkenntnis, die uns die Kleinkinder schenken können. Hier und Jetzt, Gute Laune und Vergeben sind die Dinge, die ich mir besonders zu Herzen nehmen möchte.

    Ich freue mich schon auf deine nächsten Artikel! Deine Inga

  • #8

    Alice (Mittwoch, 18 September 2019 19:39)

    Liebe Tamara,
    das ist wirklich ein schöner und so wahrer Beitrag. Und deswegen gehe ich jetzt mal ganz flott ins Kinderzimmer, um genau das zu leben. Herzlichen Dank für deine Sicht!
    Liebe Grüße an euch 3! Alice

  • #9

    Alexandra (Mittwoch, 12 August 2020 12:22)

    Willkommen in der Welt der Kinder!� es ist wirklich so , man geht nicht mit ihnen spazieren, sondern bei mir hieß es immer spazieren stehen � eine kleine Runde um den Block konnte da gut mal ein Stündchen dauern , und ich erinnere mich so gerne daran, daß wir bei Regen zu Dritt KEINE EINZIGE Pfütze ausgelassen haben und oft böse Blicke ernteten. "Kriege werden aufgegessen", singt Herbert Grönemeyer, Recht hat er! Kinder sind viel viel unkomplizierter als Erwachsene und denken sich häufig Strategien aus, um alle Kinder zum Spielen zu bewegen. Im übrigen war es mir immer wichtig, mein Inneres Kind zu erhalten und zu pflegen, und so albere ich heute noch mit meinen erwachsenen Kids herum, die fast allen Quatsch auch mitmachen. Ein wunderbarer Artikel - bitte weiter so!!!������

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